Deutsch-Indische Kulturgesellschaft e.V. Tübingen
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Kathakali

Kathakali aus Kerala ist ein klassisches Tanzdrama, das von den anderen klassischen Tanzformen sehr verschieden ist. Es ist eher dramatisch als erzählend in seiner Darstellungsform. Die Themen entstammen den Epen und Mythen, die Darstellungsweise suggeriert übernatürliche Erscheinungen. Die Kostüme und die maskenartig geschminkten Gesichter haben besondere Bedeutung. So haben Helden und Antihelden, Schurken, Dämonen, weise Männer und Könige, alle ihre ganz besondere Kostüme und Gesichtsfarben, wobei grün einen guten Charakter andeutet, rot auf Tapferkeit und Zorn hinweist, schwarz mit dem Bösen oder Primitiven verbunden ist und weiß, die Reinheit anzeigt. Farbkombinationen reflektieren den jeweils besonderen Typ des Darstellers oder auch die Stimmung des Stückes.   In Kathakali sprechen die Darsteller nicht, sondern sie erzählen die Geschichte mit Hilfe komplizierter Körperhaltungen, mit den Gesten der Hände und den Bewegungen der Augen. Der Sänger singt und rezitiert den Text, den die Darsteller durch ihre komplizierte Zeichensprache wiedergeben. Dabei haben die Tänzer viel Improvisionfreiheit.   Tanztechnisch herrschen, neben einer vielfältig ausgefeilten Gestensprache, quadra- tisch-rechteckige Bewegungsmuster vor, durch setzt von artistischen Spiral- drehungen und hohen Sprüngen. Schon die Grundhaltung hat es in sich: Die Tänzer stehen mit aufgerichteten großen Zehen und seitlich nach außen gebeugten Beinen auf den äußeren Kanten der Fußsohlen. Die reinen Tanzbewegungen bestehen aus Einheiten, die Kalasama genannt werden.

 

Kathakali Theater ist eine der Grundformen traditioneller Tanzdarbietungen des Indischen Theaters. Im 15. Jahrhundert in Kerala entstanden, folgt es noch immer den Regeln der aus vorchristlicher Zeit stammenden Poetik Natyasastra, in der kein Unterschied gemacht wird zwischen dramatischen und tänzerischen Darbietungen. So wie zu den Dramenaufführungen expressiver mimischer und gestischer Ausdruck gehörte, so verbindet das Tanztheater Tanz, Pantomime, Gesang und Musik mit langen Textrezitationen.

 

Die Tänzer stellen das Geschehen in stummem Spiel dar, in dem bestimmte Bewegungen, insbesondere der Ausdruck des Gesichtes, der Augen und die Fingerhaltungen (Mudra), mit konventionell festliegenden, dem Publikum vertrauten Bedeutungen verbunden sind. Im Hintergrund tragen Sänger und Sprecher, von Musikern begleitet, den Text vor. Von diesen nach mythologischen Stoffen geschriebenen Kathakali-Texten (Attakatha) ist das aus acht Teilen bestehende Ramanattam (nach Motiven des Epos Ramayana) besonders bemerkenswert.

 

Die Geschichte des Kathakali geht etwa 200 Jahre zurück. Der Tanz entwickelte sich aus verschiedenen hochentwickelten religiösen Tänzen und dem Wunsch, auch weltliche Handlungen darzustellen. So wurden die Tänze für die verschiedenen Gottheiten zusammengemixt, das ganze dann noch erweitert und (bis heute) ständig weiterentwickelt, und es entstand eine komplette Sprache aus Mimik und Gesten. So können komplexe Handlungen auf der Bühne dargestellt werden, ohne ein Wort zu sprechen. Auf diese Art werden nun auch weltliche Stücke aufgeführt und die Handlungen aus allen Kulturkreisen importiert. Man konnte bereits chinesische Märchen und Stücke von Shakespeare in Form von Kathakali auf der Bühne verfolgen, beim indischen Publikum, ob im Tempel oder im Theater, sind aber nach wie vor die alten Göttersagen am beliebtesten. Und all das nur mit Pantomime, Trommel und Zimbeln, manchmal dazu wortlose, anarchisch anmutende Gesänge.

 

Kathakali ist ein weiterer alter Tanz, der in Kerala entstanden ist. Katha bedeutet eine Geschichte, ein Thema, Kali ist ein Spiel, Kathakali meint somit ein Tanzdrama. Kathakali wird normalerweise im Freien auf religiösen Festen in Tempeln und Palästen getanzt. Der Tanz wird während der Nacht, im Licht der Öllämpchen vorgeführt, was eine besonders schöne Atmosphäre ergibt, und durch Musikinstrumente und Gesang begleitet. Ein kunstvolles Make-up und kostbare phantasievolle Kostüme sind sein besonderes Merkmal: sie stellen den Charakter der Personen dar. Hervorragende Charaktere wie Krishna und Arjuna tragen ein grünes Make-up, ein rotes Make-up bekommen wütende, unintelligente Personen wie Dämonen, böse Geister etc.. Kathakali-Vorführungen sind in Ernakulum zu sehen.
Im Gegensatz zum Bharat Natyam wird der Kathakali ausschließlich von Männern getanzt. Die Themen stammen gewöhnlich aus den Epen des Ramayana und Mahabharata und werden durch kunstvolle Gestik und Mimik, von Tabla und Gesang begleitet, dargestellt.